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Die Medizinfrau 2002
Als "Medizinfrau" im afrikanischen Busch

Am 17.01.02 kamen wir in der Hauptstadt Quagadougou an, dem Ausgangspunkt unserer Expedition. Die diesjährige Reise führte uns über Tin Akoff nach Timbuktu. Von dort ging es in nördlicher Richtung nach Araouane. Die Rückfahrt traten wir in süd-östlicher Richtung nach Bourem an und erreichten über Gao und Tin Akoff wieder unseren Ausgangspunkt Quagadougou, von wo wir am .7.02.02 zurückflogen.

Um die Kühlkette für den Tollwutimpfstoff zu gewährleisten, hatten wir diesmal einen gasbetriebenen Kühlschrank für Tin Akoff mitgebracht. Dort erwartete uns Ayad ag Inachanan, unser ABIS-Vertrauensmann, dessen Hunde uns wie Familienmitglieder begrüßten.
Wir impften Ayads Hunde gegen Tollwut, lagerten die Arzneimittelspenden und den Impfstoff für die spätere Aktion im gesamten Departement in den Vorratshäusern des ABIS-Magazins, verproviantierten uns mit Auberginen und Tomaten aus Ayads Garten und machten uns auf den Weg nach Gourma Rharus am Niger (Mali). Die Fahrt führte uns durch steppenähnliche Vegetation mit Wolfsmilchgewächsen, Akazien und Dornbüschen, durch Steinwüsten und Sanddünen.

In mehreren kleinen Lagern behandelte ich Kinder mit Bronchitis, einen Säugling mit Diarrhöe, eine junge Frau mit Tachycardien und eine Greisin mit Fieber und Kopfschmerzen. Eine Frau zeigte mir ihre rechte Brust mit eingezogener Brustwarze. In der Brust konnte ich einen kirschkerngroßen Knoten ertasten, die axillären Lymphknoten waren jedoch unauffällig.

Kurz vor Gourma Rharus blieb eines unserer Fahrzeuge zum ersten Mal in den Dünen stecken. Während des Auto wieder flottgemacht wurde, suchten wir im Sand nach den Scherben alter, vielleicht vorgeschichtlicher Tongefäße, wie sie fast überall in der Sahara neben steinzeitlichen Werkzeugen zu finden sind. In Gourma Rharus gibt es die einzige Fährverbindung am nördlichen Lauf des Nigerflusses. Außerdem verfügt der Ort über einen Radiosender "Die Stimme Malis". Beides wird mit Hilfe des deutschen Entwicklungsprojekts "Mali Nord" unterhalten.

Mit der Fähre konnte an diesem Tag wegen der starken Strömung jeweils nur ein Fahrzeug übersetzen. Wir ließen einem jungen Touareg, der sich als Chef des Radiosenders zu erkennen gab, den Vortritt mit seinem hochmodernen Geländewagen; er wollte wegen des bevorstehenden Besuches unseres Bundespräsidenten schnellstens zur Berichterstattung nach Timbuktu.

Die lange Wartezeit nutzten Elisabeth und Christiane zum Haarewaschen im Niger - eine hygienisch leider nicht ganz unproblematische Angelegenheit. Danach hatten wir sogar noch Zeit für einen Marktbummel und Gerhard ließ sich bei einem Straßenfriseur einen neuen Haarschnitt a la carte verpassen.

Interessant für uns war, dass an den flacheren Stellen des Niger Reisanbau von der Bevölkerung betrieben wird, wobei die Ernte von Booten aus erfolgt.

Nach der Überquerung des Niger fuhren wir durch eine beeindruckende Dünenlandschaft mit vereinzelten Gruppen von Dumpalmen.
In den von uns besuchten Ansiedlungen behandelte ich vorwiegend Kinder mit Bronchitis und eitrigen Augenentzündungen. Eine junge Mutter hatte einen Monat nach der Geburt ihres Kindes einen Malariaanfall und befand sich in einem dementsprechend schlechten Zustand.

In Timbuktu aßen wir im legendären "Hotel Tombouktou" zu Mittag, in dem später auch unser Bundespräsident residierte. Anschließend machten wir eine Stadtbesichtigung und brachen am späteren Nachmittag in Richtung Araouane auf.

Da wir uns in den Sanddünen nördlich von Timbuktu mehrfach festfuhren, beschlossen wir wegen der fortgeschrittenen Zeit, schon jetzt unser Nachtlager in den Dünen aufzuschlagen.

Als Entschädigung hatten wir das Glück, im Licht der untergehenden Sonne über den Dünenkamm eine Salzkarawane aus Daoudenni heranziehen zu sehen.

Ein Bild, wie es auch GEO Fotografen nicht besser hätten einfangen können (vgl. Märzheft 2002 mit einem Bericht über einen Teil der von uns gefahrenen Strecke).
Die höchst beschwerliche Karawanenroute zu den Salzminen von Daoudenni führt durch die Übergangszone vom Sahel in die südliche. Sahara vorwiegend durch Sandwüste mit riesigen Wanderdünen und nur spärlicher bzw. keiner Vegetation. Die Strecke forderte unseren Fahrern ihr gesamtes Können ab.
Trotzdem ließ es sich nicht verhindern, dass die Fahrzeuge immer wieder im Sand stecken blieben. Mit Hilfe von Sandblechen und Schaufeln ging es nach entsprechend mühseligem Arbeitseinsatz langsam weiter Richtung Norden.

Mit unseren Fahrzeugen schreckten wir einige eigentlich nachtaktive Feneks auf, die hakenschlagend vor uns flüchteten. Wir passierten einige Brunnen, an denen Nomaden ihr Vieh tränkten. Das Wasser wird von einem Kamel oder Esel in einem Wassersack aus Tierhäuten über eine hölzerne Rollenkonstruktion aus der Tiefe des Brunnens gezogen.

Am Nachmittag des zweiten Tages begegneten wir einer Hirsekarawane, die ebenfalls auf dem Weg nach Araouane war. Der Karawanenführer berichtete, dass sie bereits einen Tag unterwegs seien und bis zum Endziel noch weitere vier Tage benötigen würden. Am dritten Tag setzte ein leichter Sandsturm ein.

Durch die Abfolge schwieriger Dünenpassagen war der Treibstoffverbrauch unserer Fahrzeuge so stark angestiegen, dass wir beschlossen, vor Araouane nach Osten in die flachere Serir-Wüste abzubiegen. Mittels GPS bestimmten wir unseren Standort am letzten Brunnen und legten die neue Fahrtroute nach Bourem über die nächsten erreichbaren Brunnen fest.
Auf der Weiterfahrt durch den anhaltenden Sandsturm sichteten wir zwei Dorkasgazellen und einige scheinbar herrenlose Kamelherden auf den fast vegetationslosen Sand- und Kiesebenen. In der Ferne sahen wir vereinzelte Nomadenzelte, die sich flach in die grenzenlose Landschaft duckten und fast wie kleine Sandverwehungen wirkten.
Die Leute in dieser Region waren außerordentlich kontaktscheu, sodass wir lediglich einmal die Möglichkeit hatten, mit Zeltbewohnern zu sprechen.

Am späten Nachmittag des dritten Tages erreichten wir Bourem in der Nähe des Nigerknies. Wir waren alle etwas wehmütig gestimmt, da wir nun die unwirkliche Schönheit und Stille der doch so viele bleibende Eindrücke vermittelnden Wüste verlassen hatten. Im Gegensatz zu uns waren unsere Fahrer und Ayad heilfroh, dass sie "das Land, in dem der Tod wohnt", unbeschadet hinter sich lassen konnten.

Wir füllten die Treibstoffvorräte auf und errichteten unser Nachtlager außerhalb von Bourem. Am nächsten Tag erreichten wir gegen Mittag nach einer Fahrt durch Savannenlandschaft Gao, die ehemalige Durchgangsstation der aus Sicherheitsgründen seit Jahren verödeten Transsahara-Route.

Nach Erledigung einiger Polizeiformalitäten machten wir einen Rundgang über den Markt, welcher in einzelne Teilmärkte für Vieh, Fisch, Hirse und Reis, Gemüse und Früchte, Kurzwaren und Lederwaren, Schmuck und Stoffe unterteilt ist. Auf dem Tuchmarkt verrichten viele Schneider ihr Handwerk und stellen in kürzester Zeit jedes gewünschte Kleidungsstück her.
Es war wie immer ein wunderschöner Anblick, den farbenfrohen gekleideten Menschen beim Handeln und Palavern zuzusehen.

Kurz vor Sonnenuntergang verließen wir Gao, setzten mit der Fähre über den Niger und schlugen unsere Zelte unter dem tropischen Sternenhimmel auf - froh, dem Trubel der "Großstadt" mit ihren auf Touristen hoffenden Händlern und Dienstleistungsanbietern entkommen zu sein.

Auf der Weiterfahrt Richtung In Tillit suchten wir einige Bella Lager auf, in denen ich zahlreiche Kinder behandelte, welche vorwiegend an Bronchitis und Schnupfen sowie Unterernährung litten. Ein ca. zweijähriges Kind weinte vor Schmerzen wegen einer stark eitrigen fieberhaften Otitis.
Anderseits zeigten einige Mütter mir voller Stolz ihre gesunden Babies. Während ich die Kinder versorgte, verteilte Gerhard an die Frauen Seife und Nähzeug, was freudig angenommen wurde.
Als wir kurz anhielten, um eine Herde Kamele zu fotografieren, näherte sich ein junger Mann mit seinen Freunden und bat mich, im nahegelegenen Dorf nach seiner Schwester zu sehen, der es nach der Geburt ihres Babys in der letzten Nacht sehr schlecht gehe.

Wir fanden eine völlig erschöpfte Wöchnerin in einem ca. 2 qm großen, durch einen Vorhang abgeteilten Bereich des Zelts. Zu ihren Füßen saßen ihre zwei älteren Kinder von ca. drei und vier Jahren, rechts neben ihr lag das völlig mit Sand verklebte Neugeborene in Stofffetzen gehüllt und daneben noch das Messer, welches zu Durchtrennung der Nabelschnur benutzt worden war. Während ich mich um die Mutter kümmerte, versorgten Christiane und Elisabeth den Säugling, indem sie ihn wuschen, einkleideten und in eine Decke wickelten. Mit Staunen wurden sie dabei von den älteren Frauen des Dorfes beobachtet.
Als wir gerade aufbrechen wollten, behandelte ich noch einige Kinder mit Bronchitis; unter ihnen waren zwei Brüder, die beide mit ausgeprägten Kröpfen behaftet waren.

Bei In Tillit wurde mir ein weinender Junge gebracht, der am ganzen Körper unter einem juckenden Ekzem litt. Auf der Weiterfahrt behandelte ich schon fast routinemäßig Entzündungen der Atemwege und Augen. In einem der Lager behandelte ich einen kleinen Jungen mit Parotitis, dem die Mutter bereits zur Kühlung einen Quarkumschlag aus Ziegenmilch gemacht hatte. Ein weiterer Junge litt unter einem Malariaanfall. Ein ca. sechs Monate altes Mädchen hatte vereiterte Ohren, wobei sich glücklicherweise nach Säuberung und Inspektion herausstellte, dass es nur eine Entzündung des äußeren Gehörgangs war.
Anschließend suchte mich eine Tuaregfrau mit Schmerzen und Fieber auf. Wie sich herausstellte, hatte sie wahrscheinlich wegen schmerzhaft geschwollener Lymphknoten im Hals und Schulterbereich eine sonst eigentlich nur bei Tieren übliche Therapie angewandt: dabei werden mit einem erhitzten Messer Schnitte in die Haut der erkrankten Region gesetzt.

Wieder in Burkina Faso legten wir in der Siedlung Fadar Fadar Nord einen Stop an einem Brunnen ein, in dessen Nähe sich das Lager des Bella-"Königs" der Region befand. Da auch er Hunde besitzt, besuchten wir ihn, während unsere Fahrer die Wasserkanister füllten.

Der an Lungenentzündung erkrankten Frau des Bella-Chefs reichte man bei Bedarf einen mit Sand gefüllten Spucknapf. Dies war für mich sehr erstaunlich, da der - an sich hygienische - Gebrauch eines solchen Spucknapfs normalerweise unüblich ist. Andererseits aber trank die Familie aus Kalebassen mit schmutzig-braunem Wasser, das man trotz der Tiefbrunnenpumpe vor der "Zelttür" nach alter Gewohnheit aus offenen Wasserlöchern schöpft, die auch als Viehtränke dienen.
Während eines Zwischenhalts in der Nähe von Kacham trafen wir auf einen Mann, der sich gegen seine starken Kopfschmerzen einen Brei, bestehend aus Blättern eines Strauchs und dem Lehm eines Termitenhügels, im Gesicht aufgetragen hatte.
Aus einem Zelt brachte man mir einen kleinen Jungen mit fiebriger Otitis.

Nach unserer Ankunft in Tin Akoff gewannen wir Ayad für ein neues Projekt zur möglichen Selbsthilfe gegen Malaria. Hierzu hatten wir aus Deutschland über Anamed Samen des chinesischen Beifuss besorgt, den er in seinem Garten am Beli kultivieren soll. Da die bekannten Malariamedikationen für die Menschen in dieser Region kaum bezahlbar sind, wäre der Beifusstee zur Behandlung der Malaria vielleicht eine Alternative.

Es erfüllt mich immer mit Freude, wenn wir im Rahmen unserer Möglichkeiten helfen können. Daher möchte ich mich an dieser Stelle bei allen bedanken, die unsere Aktivitäten im Bereich des medizinischen Beistands möglich machen! Also vor allem bei den Spendern von Arzneimitteln für Behandlungen während der Expeditionen und zur Versorgung der Sanitätsstation in Tin Akoff, bei den Spendern der neuen Gaskühlbox für die Aufbewahrung der Impfstoffe sowie bei der Stiftung PRO LEVRIER in der Schweiz, die unsere Tollwutschutzimpfungen im Departement Tin Akoff unterstützt.

Nicht zuletzt gilt mein Dank auch den vielen hilfsbereiten Freunden, die hier und in Afrika bei den umfangreichen Vorbereitungen und der Durchführung dieser ABIS-Projekte mitarbeiten.
Fotos








































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