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Die Medizinfrau 2001
Als "Medizinfrau" im afrikanischen Busch

Für Bärbel Kleemann, Ilse Stimpfl-Klann und mich begann unsere Abreise mit einem Problem. Wir mussten unser Handgepäck mit einchecken, da in der kleinen Maschine mit der wir nach Brüssel flogen, nicht ausreichend Platz in der Kabinenablage war. Dadurch kam zusätzlich zu unserem Hauptgepäck aus Medikamenten, Hilfsgütern und Impfstoff ein Übergepäck von 40 kg zustande, wofür wir bei Sabena den vollen Preis von DM 45, -/kg entrichten mussten.

Dies hat die Kosten für die gespendeten Medikamente in diesem Jahr erheblich verteuert. Ein schriftliches Gesuch an Sabena um Preisnachlass auf die Beförderung humanitärer Hilfsgüter ist noch nicht entschieden. Wir werden über den Ausgang, auch zum Nutzen anderer Westafrikareisender, berichten.

In Brüssel trafen wir dann auf den Rest unserer diesjährigen Gruppe Dr. Werner Röder aus München und aus Österreich Silvia Jöbstl und Günter Hofmann.

Durch die Hilfe Sigi Krigars und seiner Mitarbeiter war die Grenzkontrolle in Quagadougou eine reine Formalität. Allerdings mussten wir schon Wochen zuvor die eingeführten Arzneimittel und Impfstoffe recht mühsam auflisten und von einem speziellen Zollbüro für Entwicklungshilfe in Burkina Faso absegnen lassen.

Wir übernachteten im Hotel O.k. Inn und konnten auch diesmal die mitgebrachten Impfstoffe im Hotelkühlraum lagern. Am nächsten morgen verteilten wir Gepäck und Medikamente auf die beiden angemieteten Geländewagen und starteten Richtung Tin Akouf.

Wegen der mitgeführten Impfstoffe mussten wir auf die Einhaltung der Kühlkette achten, so das eine Übernachtung in Zigaiberi erforderlich war.
Diese Gelegenheit nutzten wir um Manafi, einen sesshaft gewordenen Tuareg und seine Familie zu besuchen. Wir kennen Manafi bereits seit unserer ersten Expedition vor 9 Jahren und halten seitdem freundschaftlichen Kontakt.
Werner hat seit zwei Jahren die Schulpatenschaft für Mariam, seiner jüngste Tochter, übernommen. Bei unserem Besuch war die ganze Familie erkältet und litt unter Husten und Schnupfen, so dass ich meine ersten Medikamente austeilte.

Am nächsten Tag erreichten wir Tin Akouf und bezogen das A.B.I.S. Campement im Dorfkern in der Nähe des Belis. Unsere Ankunft verbreitet sich wie ein Lauffeuer und so standen die ersten Patienten, noch während wir unsere Zelte aufbauten, geduldig wartend im Lager.

Ayad, unser ABIS- Vertrauensmann in Tin Akouf, erzählte uns, dass im letzten Jahr die Tollwut ausgebrochen war, aber dank unserer Impfaktionen die Epidemie bei Gorom Gorom gestoppt werden konnte.

Der Bitte der staatlichen Veterinärverwaltung um Tollwutimpfstoff für den Einsatz auch außerhalb unseres Impfbezirks im Departement Tin Akouf konnten wir entsprechen, da wir seit mehreren Jahren ein von Ayad verwaltetes Impfstofflager in Tin Akouf mit jeweils 500 Impfportionen auffüllen.

Eine an Asthma erkrankte alte Frau, die ich bereits im vorigen Jahr behandelt hatte, suchte uns wieder auf und bat um die gleichen Medikamente, die Ihr so gut geholfen hatten. Ein Mann, dessen Fingerverletzung von mir behandelt wurde, zeigte mir stolz, wie gut die Wunden abgeheilt waren und bat mich gleichzeitig, seine neuen zu versorgen.
Ayads Tochter kam mit ihrem Neugeborenen, der leicht verschnupft war. Sie selbst hatte eine Brustdrüsenentzündung links mit einer 7x7 cm großen eiternden Wunde, die dringend versorgt werden musste.
Ein ca. 7 Jahre alter Junge wurde von seiner Großmutter zu uns gebracht. Er hatte eine stark verschmutzte eiternde Beinverletzung. Die Wunde wurde nach gründlicher Reinigung mit einem Jodsalbenverband behandelt. Dieses Jahr standen mir Sylvia und Günter als fachmännische Hilfe tatkräftig zu Seite.

Auf der Fahrt von Tin Akouf nach Niger wurde ich in einem Lager, welches wir anfuhren, zu einem alten Mann gebracht der an einer Gelbsucht litt. Der Familie gaben wir Anweisung bestimmte Kräuter aus Ayatts Garten zu holen. Später erfuhren wir, dass es ihm wieder gut geht!

Bei den Kel Dahoussahag in Niger litten fast alle Kinder an Augenentzündungen. Eine Tuaregfrau hatte einen Lippenherpes. Die meisten meiner Patienten in den verschiedenen Lagern, in Niger anfuhren hatten fieberhafte Erkältungskrankheiten und Mangelerscheinungen sowie kleinere Verletzungen. Zwei Kinder waren durch eine von Fliegen übertragene Augenerkrankung erblindet.

An einer Wasserstelle in Mali trafen wir einen Tuareg wieder, dessen Bekanntschaft wir im vorigen Jahr gemacht hatten. Damals hatte ich die Gelegenheit, seinen wunderschönen Schimmelhengst zu reiten. Der Mann berichtete, das die von mir wegen Lungenentzündung behandelten Lagerbewohner alle wieder gesund seien. Er bat mich, doch im nächsten Jahr Wurmmittel für Pferde mitzubringen.

Auch in Mali behandelte ich die Kinder vorwiegend wegen Augenentzündungen, Bronchitis, Fieber, Verletzungen und Hauterkrankungen. Viele Kinder waren unterernährt und hatten Mangelerscheinungen. Ein zu mir gebrachtes Kleinkind war so stark ausgetrocknet, dass es aussah wie ein Greis, und zunächst ein Gefühl großer Hilflosigkeit in mir auslöste. Eine vor Ort zubereitete Elektrolytlösung wurde von dem Kind begierig aufgenommen.
Hier zeigte sich das allgegenwärtige Problem, den Menschen klar zu machen, dass ausreichende Flüssigkeitszufuhr lebensnotwendig ist. Wasser ist häufig knapp und muss oft über weite Strecken herantransportiert werden.

In diesem Jahr kommt erschwerend hinzu, das bei außergewöhnlicher Hitze extrem wenig Regen gefallen ist, und die Wadis, die zu dieser Jahreszeit normalerweise noch Wasser führen, fast schon völlig ausgetrocknet sind.
In Oursi sahen wir schon die ersten Kadaver verdursteter Tiere. In Niger und Mali trafen wir auf Brutstätten von Vögeln, die von Menschen zerstört worden waren. Grund hierfür ist die direkte Futterkonkurrenz zwischen Mensch und Tier um wilde Hirse, Getreide und Beeren, deren Ernte wegen der Trockenheit extrem mager ausgefallen ist.

Dieses Problem schlägt sich auch in stark steigenden Hirsepreisen nieder, die für manche Familien nicht mehr bezahlbar sind.
Hier zeigt sich besonders der Wert des durch ABIS-Mitteln ermöglichten Baus eines Hirsespeichers in Tin Akouf und dessen jährliche Füllung aus Spendengeldern.

Wieder zurück in Burkina behandelte ich einige Durchfallerkrankungen. Allerdings erheblich weniger als die Jahre zuvor. Außerdem suchten mich Einheimische wegen Bronchitis, Asthma und Augenentzündungen auf.
Es waren jedoch weniger als in Niger und Mali.
In einem kleinen Dorf in der Nähe von Oursi untersuchte und behandelte ich eine alte Frau mit hohem Fieber wegen einer schweren Bronchitis. Noch während der Behandlung wurde ein junges Mädchen mit den gleichen Symptomen zu mir gebracht. Kurze Zeit später war ich dann umringt von vielen Dorfbewohnern, die ihrer Meinung nach auch Fieber hatten und Medikamente dagegen begehrten. Die Kontrollen ergaben jedoch normale Körpertemperatur. Zur Behandlung solcher Fälle führen wir als Placebo Vitaminbonbons mit.

Als wir nach Tin Akouf zurückkamen, war wiederum Markt und daher auch der, Bellachef, Oberhaupt der dunkelhäutigen Bella-Volksgruppe, in der Stadt. Er ist in der Gegend als großer Heiler besonders von geistig Erkrankten bekannt und versprach uns bei einem Treffen seine Behandlungsweise zu zeigen. Leider konnte er dann wegen familiärer Probleme nicht persönlich kommen, schickte aber seinen Stellvertreter nebst Gehilfen.

Am Abend erschien die Gruppe in unserem Camp. Als erstes nahmen wir den Duft einer betörenden Parfumwolke war, welche die Männer und Frauen umhüllte. Die festlich gekleidete Gruppe platzierte sich um das Lagerfeuer vor unserem Tuareg-Lederzelt. Dann begann einer der Männer mit dem Spiel auf einer Tehardant (einheimisches Saiteninstrument) und wurde sofort vom rhythmischen Klatschen seiner Begleiter unterstützt. Im Takt, der immer schneller werdenden Musik gingen 2 Männer tanzend und klatschend aufeinander zu. Nach und nach kamen dann die anderen dazu, sodass letztendlich rechts und links jeweils 5 Personen im Abstand von ca. 4 m in ständig sich wiederholender Formation tanzten, klatschten und sangen. Der dabei durch das rhythmische Fußstampfen aufgewirbelte Sandstaub erzeugte ein diffuses Licht und ließ zusammen mit den Tehardantklängen, dem Klatschen und Singen der Tänzer ein Gefühl der Gemeinschaft und Geborgenheit aufkommen.
Die Erkrankten werden in dieses Ritual intensiv einbezogen. Dadurch wird in Ihnen das Zugehörigkeitsgefühl zur Dorfgemeinschaft erweckt und eine Reintegration ermöglicht.

Vor unserer Abreise hinterließen wir unsere restlichen Decken und Medikamente in der Sanitätsstation und verabschiedeten uns vom Präfekten.
Dieser bat uns noch um Hilfe in seinem persönlichen Fall. Er hatte durch einen Autounfall in Kaya den linken Arm verloren und benötigt dringend eine Prothese, um wieder arbeiten zu können
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