auf deutschin english
NeuesHundeBerichteKontaktGästebuch
    Genetik     Genetik2     Medizinfrau 2000     Medizinfrau 2001     Medizinfrau 2002     Pferde     start     
Die Medizinfrau 2000
Als "Medizinfrau" im afrikanischen Busch

Am 30.01.2000 kamen wir in Ouagadougou, der Hauptstadt von Burkina Faso, an. Ilse, Johanna, Werner, Lutz, Oliver, Jörg und ich, mit wenig Eigengepäck, aber dafür mit 500 Impfungen gegen Tollwut, Medikamenten, Lebensmitteln zur Eigenversorgung auf der Reise und vielen Geschenken.
Am Zoll hatten wir dank guter Vorbereitung zum Glück wenig Probleme.

Wir wurden wie immer von Siggi Krigar und seinem Team herzlich empfangen. Am 31.1.2000 begann unsere Tour. Sie führte von Quagadougou nach Tin Akoff und von dort nach Mali über N'Daki, Gao, Kidal, Menaka und das Azawakhtal nach Anouzegrene. Die Rückfahrt erfolgte über Menaka, Ansongo und Tin Akoff nach Quagadougou.

Jeder der Teilnehmer hatte seine Aufgaben während der Reise und da wir ein gutes, teils schon eingespieltes Team waren, ging alles reibungslos. Meine Aufgabe war wie auf den Reisen zuvor die medizinische Betreuung und Beratung der von uns besuchten Dorfbevölkerungen und der Nomaden sowie die statistische Erfassung der Azawakhpopulation.

In Tin Akoff, unserem ersten Ziel der Reise, wartete Ayad Ag Inachanan schon auf uns. Ayad ist unser ABIS-Beauftragter in Burkina Faso. Er und der Veterinär helfen bei der Durchführung unserer Impfaktion gegen Tollwut der Hunde.
Die von ABIS gespendete Pumpe für die Gemüsegärten war schon in Tin Akoff eingetroffen.

Bald nach unserer Ankunft erschienen die ersten erkrankten Einwohner von Tin Akoff, da sie von früheren Reisen wissen, daß sie, soweit es in unseren Möglichkeiten liegt, kostenlose Behandlung erlangen können.
Hierunter zum Beispiel ein alter Mann mit hohem Fieber, Lymphadenitis und Schmerzen, deren Ursache eine eiternde Verletzung zweier Finger seiner rechten Hand waren, und ein kleiner Junge mit einer eitrigen Conjunctivitis. Des weiteren wurden Einwohner mit Kopfschmerzen, Bronchitis und Darmproblemen von mir behandelt.

Ab Tin Akoff begleitete uns Ayad als Führer und Übersetzer auf unserer weiteren Reise.
Unser nächstes Ziel war Fadar-Fadar, wo wir ein großes Touareglager mit zahlreichen Bürgerkriegsflüchtlingen aus Mali besuchten.
Die hygienischen Bedingungen in diesem Lager waren selbst für afrikanische Verhältnisse außerordentlich schlecht. Gleich nach unserer Ankunft waren unsere Autos von Menschen umlagert, die medizinische Hilfe benötigten. Hierunter ein ca. 25-jähriger Mann mit einer fieberhaften Pneumonie, eine fiebernde ca. 16-jährige junge Frau im Zustand nach einer Totgeburt mit unvollständiger Nachgeburt. Als nächstes wurde eine alte Frau zu mir getragen, welche offenbar unter einem beginnenden Darmverschluß litt. Des weiteren behandelte ich noch mehrere Kinder und Erwachsene mit Verletzungen, Entzündungen der Augen, der Schleimhäute und mit Bronchialproblemen.
Speziell in den ersten drei geschilderten Fällen wurde wieder einmal aufgezeigt, wie wichtig Transportmöglichkeiten zum nächsten Krankenhaus wären. Ich konnte leider nur mit meinem medizinischen Wissen, Medikamenten und physikalischer Therapie helfend eingreifen. Den Erfolg meiner Bemühungen werde ich im nächsten Jahr hoffentlich positiv kontrollieren können.

Wir fuhren weiter über Ebingualan, ein Dorf, das von Touareg, Bella, und Peul bewohnt wird, die einige sehr schöne hochtypische Azawakhs besitzen. Sowohl Menschen und Tiere waren in bester Verfassung, so daß ich lediglich eine Frau mit Conjunctivitis behandelte, und mich meiner zweiten Aufgabe, der Azawakhpopulation, widmen konnte.

Während zweier Tage, in denen meine medizinischen Kenntnisse nicht benötigt wurden, konnte ich mich in den Dörfern, die wir besuchten, voll auf die Hunde und auf die Umgebung konzentrieren. In Gao erledigten wir zunächst die Formalitäten für die Weiterreise durch Mali. Dadurch war es bereits so spät geworden, daß wir beschlossen, in einem Hotel zu übernachten. Unsere männlichen Mitreisenden überließen uns Frauen freundlicher Weise das einzige Zimmer mit Dusche und WC. Leider war das WC nur eine Attrappe, denn der Spülanschluß war abgeklemmt. Aber zum Glück gab es ja einen Eimer.

Am nächsten Morgen waren wir uns alle einig, lieber wieder in unseren Zelten zu übernachten.

Auf der Weiterfahrt über Kidal erhob sich ein insgesamt zwei Tage anhaltender Sandsturm, dessen erste Nacht wir nur mit unseren Schlafsäcken im Schutz von Felsen verbrachten. Am nächsten Morgen brachten uns zwei Nomadenfrauen mit Kindern und einem Säugling Ziegenmilch zur Begrüßung.
Ich behandelte den Husten der Kinder und die entzündete Brust der stillenden Mutter.
Weiter ging unsere Fahrt durch eine unwirkliche, fast menschenleere Landschaft. Sandwüste, Steinwüste und Savannenlandschaft wechselten sich ab. Wir trafen einen Schafhirten, der seine durch den Sandsturm verstreuten Tiere suchte, und Nomaden, welche aus dem nächsten Brunnen Wasser für ihre Familien holen wollten.
Einige Kilometer vor Menaka sahen wir zwei wunderschöne Azawakhs und hielten sofort Ausschau nach dem Lager der Besitzer. Dieses erreichten wir kurze Zeit später und konnten noch weitere hochtypische Azawakhs bewundern.
Auch hier ergab sich die Notwendigkeit der Behandlung von Rißwunden, Schmerzen und Fieber.
Von Menaka aus fuhren wir dann weiter ins Azawakhtal, wo wir einen einheimischen Führer fanden. Man berichtete uns, dass wir in dieser Region seit 8 Jahren die ersten weißen Besucher waren.

Während der 8 Tage im Azawakhtal errichteten wir wie immer unsere Lager fernab von Ansiedlungen und Dörfern. Trotzdem sprach sich unsere Anwesenheit sehr schnell herum und es erschienen fast an jedem Morgen Einheimische oder Nomaden, die um medizinische Hilfe baten.
Vorwiegend handelte es sich dabei um Kinder mit Diarrhöe, Bronchitis und Augenentzündungen und um stillende Mütter mit Mastitis. Speziell bei den Diarrhöen war es erforderlich, auf die Erhöhung der Flüssigkeitszufuhr zu drängen. Elektolytdefizite konnte ich durch mitgeführte Lösungen ausgleichen.

Außerdem wurden wir auch auf unseren täglichen Erkundungstouren in die Umgebung von Hilfsbedürftigen aufgesucht. Interessant war der Fall eines alten Mannes, der mit einem halbseitig zerstörten Gesicht in unser Lager kam. Er litt unter Noma, einer von mir in dieser Region Afrikas noch nicht gesehene Erkrankung. In einem Nomadenlager behandelte ich 5 an Pneumonie Erkrankte. Während ich anschließend mit den Frauen Tee trank, wurden aus anderen Lagern, die wir auf unserer Fahrt gar nicht wahrgenommen hatten, weitere 7 Pneumoniekranke herbeigeschafft und in einem Zelt abgelegt. Dort lagen sie fiebernd und frierend fast ohne Kleidung.
Ich versorgte sie so gut wie möglich, während andere Reiseteilnehmer Decken aus unseren Fahrzeugen holten und den Kranken gaben.

Ein für mich besonders dramatischer und unvergeßlicher Fall ereignete sich in einem anderen Nomadenlager.
Sofort nach unserer Ankunft wurde ich dringend zu einem Vater und seiner Tochter gerufen. Der alte Mann befand sich bereits im praefinalem Zustand und sein Ableben war nur noch eine Frage von wenigen Stunden.
Das Mädchen war hochschwanger und bereits in der Geburtsphase, mit jedoch immer wieder aussetzender Wehentätigkeit. Ich hielt die Hand des Sterbenden, der ganz friedlich auf seinen Tod zuging, und versuchte so einfühlsam wie möglich, aber auch bestimmt, den Angehörigen klar zu machen, daß der Mann jetzt stirbt.
Bei der Gebärenden war bereits der Sprung der Fruchtblase erfolgt, die Wehentätigkeit stockte immer wieder und die Herztöne des Kindes wurden immer schwächer. Bei meiner Hilfstätigkeit wurde ich hartnäckig von den Angehörigen unterbrochen, welche mich drängten, dem alten Mann zu helfen.
Der Versuch, sie wegzuschicken, verlief ohne Erfolg. In der Zwischenzeit war der Vater friedlich verstorben und ich bat Ayad, die Leute wegzuschicken.
Dann holte ich mir Ilse und Johanna zur Hilfe, um mit der Schwangeren zu laufen. Durch die Bewegung setzte dann die Wehentätigkeit wieder ein und gelangte in einen regelmäßigen Rhythmus.
Unsere Bitte, das Zelt mit dem Verstorbenen für die Tochter frei zu machen, wurde abgelehnt.
Die Gebärende sollte sich vor das Zelt legen. Als die Wehen dann regelmäßig und in immer kürzeren Abständen wiederkehrten, konnten wir die Schwangere unter entsprechenden Anweisungen in die Obhut einer alten erfahrenen Frau übergeben, die ihr weiterhin beistand, und unsere Fahrt fortsetzen.

Wie nah doch Leben und Tod beieinander liegen!

Da unser Laissez-Passer nur bis einschließlich 14.2.00 galt, begannen wir unsere Rückfahrt Richtung Anderamboukane nach Menaka.

Dabei begegneten wir einem wunderschönen Azawakh und suchten nach dem Lager der Besitzer.
Es war eine Touaregfamilie mit zwei Kindern. Die etwa 20-jährige Frau war extrem abgemagert, dehydriert und fiebernd und kaum mehr in der Lage, sich aufzurichten. Ich befragte den Ehemann, seit wann sie in diesem Zustand sei. Der Mann, der seinen ca. 3 Monate alten Jungen auf dem Arm trug, antwortete, dies sei so seit der Geburt des Kindes. Seine Frau würde nichts mehr essen und selbst Ziegenmilch bzw. Wasser würde sie nicht mehr trinken wollen. Da die Frau für einen zweitägigen Transport zu schwach war, versorgte ich sie mit Elektrolyten und fiebersenkenden Medikamenten. Für den Ehemann war der mögliche Tod Allahs Wille.

Uns wurde hier wieder bewußt, daß in diesem Kulturkreis das furchtlose und bewußte Leben mit dem Tod zum Alltag und zur Natur gehört.

An der Fähre in Ansongo eröffnete ich einen Fünfmarkstück großen Achselabszeß bei einem kleinen Jungen. Der Junge verzog zwar etwas das Gesicht, weinte aber keine Träne. Als ich fertig war, strahlt er mich an, er hatte wohl schlimmeres erwartet.

Am 14.2.00 erreichen wir spätabends die Polizeistation in Tessit, wo unsere Ausweise so abgestempelt wurden, daß wir erst am nächsten Morgen Mali verlassen mußten. Dadurch konnten wir in Ruhe unser Nachtlager unweit der Grenze zu Burkina Faso aufschlagen. Am nächsten Morgen brachte uns eine Frau aus einem nahegelegen Lager Kuhmilch.
Es kamen danach wie immer weitere Lagerbewohner zu uns. Teils aus Neugier, teils mit medizinische Problemen. Ein kleines Mädchen litt unter einem heftig juckenden, trockenen Ekzem am ganzen Körper. Beim Einreiben mit der Salbe weinte sie, weil sie offensichtlich Angst hatte, daß ich ihr weh tun würde. Als sie merkte, daß dies nicht der Fall war und außerdem eine erhebliche Linderung des Juckreizes eintrat, strahlte sie mich aus großen braunen Augen an.
Als wir ihr dann noch ein T-Shirt überzogen, war sie ganz im Glück und sichtlich stolz. Außerdem behandelte ich wieder Kinder mit Bronchitis und Fieber und einen jungen Mann mit Durchfall.

Wieder in Burkina, erwarteten mich Durchfallkranke sowie erkältete Kinder und Säuglinge und, nicht zu vergessen, die allgegenwärtige Bitte um Aspirin.
Kurz nachdem wir in Tin Akoff angekommen waren, besuchte uns der anfangs erwähnte alte Mann mit der Lymphadenitis und zeigte mir stolz seine Finger, die sehr gut verheilt waren. Nach einer Weile trafen weitere Patienten ein. Darunter eine alte Frau mit Asthma, die mir zum Dank für ihre Behandlung am nächsten Tag von ihrer Enkelin eine wunderschöne Touareglederarbeit vorbeibringen ließ.

Per Kamel besuchten wir dann ein etwa 3 Kilometer entferntes Touareglager, in dem zu diesem Zeitpunkt nur Frauen und Kinder anwesend waren. Als ich interessiert in eine Wiege mit einem weiblichen Säugling schaute, wurde mir das Kind gleich in den Arm gelegt. Nach der ersten Kontaktaufnahme hatte ich seit langem wieder einmal "warm geduscht". Was zur allgemeinen Erheiterung der Anwesenden führte.
Zum Glück trocknet alles in Afrika sehr schnell.
Danach behandelte ich eine Zahnfleischentzündung, entfernte einen Splitter aus einer Hand und versorgte eine alte Frau mit Bronchitis und Kopfschmerzen. Als Dank streifte die Frau sich drei geflochtene Reifen von ihrem Arm, die ich heute noch trage. Am Abend kam dann noch der kleine Junge, dessen stark vereiterten Augen die ich zu Beginn unserer Reise behandelt hatte, und bedankte sich, indem er sich an mich drückte und seine Hand in meine legte.

Da mir durch meine Tätigkeit als Heilpraktikerin die Wirksamkeit der homöopathischen, phytotherapeutischen und kulturspezifischen traditionellen Heilmethoden sehr wohl bekannt ist, habe ich mich stets bemüht, die von uns besuchten Einwohner in dieser Art von Selbsthilfe zu bestärken, da es relativ unwahrscheinlich ist, das eine europäische Reisegruppe mit Medikamenten häufig vorbei kommt.

An dieser Stelle möchte ich meinen Dank an alle aussprechen, deren Geld- und Sachspenden meine Arbeit und die Projekte von ABIS überhaupt erst ermöglicht haben.
Mein Dank gilt auch meinen Reiseteilnehmern, die immer und oft in brütender Sonne geduldig auf mich warteten. Sowie speziell Ilse und Johanna, die mir bei meiner Arbeit tatkräftig zur Seite standen.
Es erfüllt mich mit Dankbarkeit und Freude, daß ich einen kleine Beitrag zum Wohlergehen der von uns besuchten Menschen leisten durfte.

Die von uns nicht aufgebrauchten Medikamente haben wir in Mali und Burkina an die medizinischen Stationen für die Versorgung der Landbevölkerung weitergegeben.
Fotos








































Sie sind der Besucher dieser Seiten - Impressum - Webdesign © TK-Grafikarbeiten 2006